{"id":340,"date":"2014-09-28T11:45:33","date_gmt":"2014-09-28T11:45:33","guid":{"rendered":"http:\/\/designdemello.wordpress.com\/?page_id=340"},"modified":"2014-10-09T10:04:03","modified_gmt":"2014-10-09T10:04:03","slug":"von-frau-professor-dr-rita-sussmuth","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/galerie.giselabartels.de\/?page_id=340","title":{"rendered":"Von Frau Professor Dr. Rita S\u00fcssmuth"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">Ansprache der Pr\u00e4sidentin des Deutschen Bundestages,<br \/>\nFrau Professor Dr. Rita S\u00fcssmuth, anl\u00e4\u00dflich der Ausstellungser\u00f6ffnung<br \/>\n&#8222;Gesichte und Gesichter &#8211; Gisela Bartels\/ Anne Wagenfeld&#8220;<br \/>\nin der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft am 31. Mai 1995 in Bonn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Es ist mir nicht nur ein Vergn\u00fcgen, sondern zugleich auch ein besonderes Anliegen,<br \/>\nanl\u00e4\u00dflich der Ausstellungser\u00f6ffnung &#8222;Gesichte -Gesichter&#8220; mit Werken von Gisela Bartels und Anne Wagenfeld hier in der<br \/>\nDeutschen Parlamentarischen Gesellschaft einige einf\u00fchrende Worte zu sprechen. Zun\u00e4chst liegt mir daran, der Initiatorin<br \/>\ndieser Ausstellung Frau Kollegin Terborg, ein herzliches Wort des Dankes zu sagen f\u00fcr das gro\u00dfe Engagement, das sie in<br \/>\nSache~ Kultur und Kulturf\u00f6rderung seit langem erbringt. Sie haben sich, sehr geehrte Frau Terborg, gerade um das Verh\u00e4ltnis<br \/>\nder Kulturschaffenden, Kulturinteressierten und Kultur-Sponsoren in Ihrer Heimatregion in besonderer Weise verdient gemacht.<br \/>\nIhr Beispiel kann zugleich verdeutlichen, wie wichtig es bei dem nicht immer unproblematischen Verh\u00e4ltnis zwischen Politik<br \/>\nund Kultur ist, da\u00df die Politik die sogenannte Regionalkultur nicht aus den Augen verliert. Die &#8222;&#8218;Kunst von der K\u00fcste&#8220;, die<br \/>\nden Bezugsrahmen dieser Ausstellung bildet, illustriert deshalb f\u00fcr mich auch, wie wesentlich die Beitr\u00e4ge der Kunstschaffenden<br \/>\nzur kulturellen Identit\u00e4t einer Region und der in Ihr lebenden Menschen sein kann. Nicht zuletzt, liebe Frau Terborg, m\u00f6chte<br \/>\nich Ihnen aber auch daf\u00fcr danken, da\u00df Sie. sich in besonderer Weise f\u00fcr &#8222;Frauen als K\u00fcnstlerinnen&#8220; einsetzen.<br \/>\nSchlie\u00dflich gilt<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8211; wie in vielen anderen Bereichen unserer Gesellschaft &#8211; auch in der Kulturszene,<br \/>\nda\u00df es f\u00fcr Frauen oft schwerer ist als f\u00fcr .M\u00e4nner, sich durchzusetzen und \u00f6ffentliche Anerkennung zu finden.<br \/>\nDeshalb freue ich mich besonders, da\u00df in der Ausstellung &#8222;Gesichte -Gesichter&#8220; die Werke von zwei Frauen aus Norddeutschland,<br \/>\nvon Frau Gisela Bartels und Frau Anne Wagenfeld, hier im nordrhein-westf\u00e4lischen Bonn einem gr\u00f6\u00dferen Publikum zug\u00e4nglich gemacht werden.<br \/>\nIch bin sicher, da\u00df dieses Kunstangebot von der K\u00fcste, das vom 29. Mai bis zum 16. Juni 1995 hier in der Deutschen Parlamentarischen<br \/>\nGesellschaft zu besichtigen ist, bei den Rheinl\u00e4ndern auf breites Interesse sto\u00dfen wird.<br \/>\nLassen Sie mich im folgenden in aller K\u00fcrze einige pers\u00f6nliche Eindr\u00fccke und \u00dcberlegungen zu den ausgestellten Werken der beiden<br \/>\nK\u00fcnstlerinnen entwickeln. Die Bronzen, Tonplastiken und Zeichnungen von Frau Anne Wagenfeld fallen f\u00fcr mich dadurch ins Auge,<br \/>\nda\u00df bei ihnen Mensch und Landschaft in oft skurriler und grotesker, jedoch durchweg eindrucksvoller Art und Weise miteinander<br \/>\nverschmolzen sind. Verzerrungen, Brechungen und Durchdringungen aller Art k\u00f6nnen nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen,<br \/>\nda\u00df hier das scheinbar Fragmentarische immer zugleich neue Einheiten bildet. Neben den sich oft \u00fcberlagernden Gesichtern<br \/>\nscheinen mir die H\u00e4nde ein zentrales Symbol im Schaffen von Frau Anne Wagenfeld zu sein. Ich denke hier nur an die eindrucksvolle<br \/>\nBronze &#8222;Haut&#8220; aus dem Jahre 1983 oder auch die Tonplastik &#8222;Gesichter II&#8220; aus dem Jahre 1988. Neben den Regionalbez\u00fcgen auf ihre<br \/>\nnorddeutsche Heimat, die unter anderem in den verwendeten Materialien deutlich werden, wird die Kunst von Frau I Anne Wagenfeld<br \/>\nallerdings auch durch ein exotisches Element bereichert. Jene &#8222;finis africae&#8220;, die in Umberto Eco&#8217;s Roman &#8222;Der Name der Rose&#8220;<br \/>\nnicht \u00fcberschritten werden darf, hat die K\u00fcnstlerin zugleich mutig und \u00fcberzeugend in ihre Werke integriert. Die vielen afrikanisch<br \/>\ngepr\u00e4gten Gesichter ihrer Bronzen, Tonplastiken und Kreidezeichnungen sind hierf\u00fcr der beste Beleg. Bei der Betrachtung mancher<br \/>\nIhrer bemerkenswerten Kreidezeichnungen, liebe Frau Wagenfeld, habe ich mich \u00fcbrigens auch an die Skizziertechnik der Zeichnungen<br \/>\nvon G\u00fcnter Grass erinnert gef\u00fchlt.<br \/>\nWendet man sich von den eindrucksvollen Gesichtern in den Werken von Frau Wagenfeld den nicht minder beeindruckenden Gesichtern<br \/>\nin der Kunst von Frau Gisela Bartels zu, so scheint man zun\u00e4chst eine ganz andere Welt zu betreten. In einer eigent\u00fcmlichen,<br \/>\nunverwechselbaren Kombination von Federzeichnung und Aquarell trifft der Betrachter hier auf eine wahre Flut von Bildern,<br \/>\ndie wiederum aus Bruchst\u00fccken von Bildern oder auch Bildzitaten bestehen. Dadurch wird der Betrachtende in besonderer Weise<br \/>\ngefordert: Mit einem Blick oder auch nur einer fl\u00fcchtigeren Betrachtung ist es bei den Werken von Frau Gisela Bartels keinesfalls<br \/>\ngetan. Vielmehr erfordern sie eine intensive Auseinandersetzung, umso St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck und Schicht f\u00fcr Schicht die hoch differenzierte<br \/>\nKomposition der Werke entschl\u00fcsseln zu k\u00f6nnen. Dann erst vermag der genauer Betrachtende zahlreiche Zitate aus Zeitgeschehen und<br \/>\nMythologie wiederzuentdecken, Fabelwesen zu entr\u00e4tseln und h\u00f6chst moderne Collagenteile wieder zu erkennen. Um wiederum einen<br \/>\nliterarischen Vergleich heranzuziehen, liebe Frau Bartels, m\u00f6chte ich an die Ideen-, Einfalls- und Eindrucksf\u00fclle in den Werken<br \/>\nvon Gabriel Garcia Marquez erinnern, die ebenfalls den Betrachter beziehungsweise Leser in besonderer Weise aktivieren und fordern.<br \/>\nEs bedarf zum Beispiel viel Geduld und genauer Analyse, um Ihrem Bild &#8222;Mischtechnik&#8220; vom M\u00e4rz 1992 das Profil im Profil des Profils<br \/>\neines Frauenkopfes zu entdecken &#8211; wie \u00fcberhaupt die K\u00f6pfe von Frauen in Ihren Werken, sehr geehrte Frau Bartels, eine zentrale<br \/>\nRolle spielen.<br \/>\nNoch vieles w\u00e4re hinzuzuf\u00fcgen zu den hier in der Deutschen<br \/>\nParlamentarischen Gesellschaft ausgestellten Werken der bei den norddeutschen K\u00fcnstlerinnen Gisela Bartels und Anne Wagenfeld.<br \/>\nIch m\u00f6chte Sie alle ermuntern, die Ausstellungsobjekte einmal in Ruhe und Mu\u00dfe zu studieren und zu entdecken. Die Werke beider<br \/>\nK\u00fcnstlerinnen sind ein weites, aber ungemein lohnendes Feld f\u00fcr jene Besch\u00e4ftigung mit dem \u00c4sthetischen, die in unserer hektischen<br \/>\nZeit oft zu kurz kommt. Dazu brauchen gerade wir politisch Handelnden die Auseinandersetzung mit den Gesichten und Einsichten der<br \/>\nKunst- und Kulturschaffenden. Nur zu oft ist darin Wegweisendes und Anregendes f\u00fcr gesellschaftlich- politisches Handeln zu entdecken.<br \/>\nMit meinem nochmaligen Dank an die Initiatorin dieser Ausstellung, Frau Kollegin Terborg, verbinde ich deshalb die besten W\u00fcnsche f\u00fcr<br \/>\neine weite Resonanz dieser Ausstellung hier in Bonn und Umgebung.<br \/>\nDie Ausstellung &#8222;Gesichte und Gesichter&#8220; ist er\u00f6ffnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ansprache der Pr\u00e4sidentin des Deutschen Bundestages, Frau Professor Dr. Rita S\u00fcssmuth, anl\u00e4\u00dflich der Ausstellungser\u00f6ffnung &#8222;Gesichte und Gesichter &#8211; Gisela Bartels\/ Anne Wagenfeld&#8220; in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft am 31. Mai 1995 in Bonn. 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